Wie schaffe ich gute Usability? 10 Tipps, um die Nutzbarkeit von Software zu verbessern
Kennst du das? Du öffnest ein neues Tool, willst nur schnell was erledigen – und plötzlich klickst du dich durch fünf Menüs, drei Pop-ups und eine Fehlermeldung, die klingt wie ein Rätsel von Gandalf.
Gute Usability heißt: Ein Produkt ist so einfach, dass man gar nicht merkt, dass man es benutzt.
Und das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von klaren Strukturen, durchdachtem Design und oft auch einer guten Portion Technischer Redaktion.
Was bedeutet Usability überhaupt?
Usability (Benutzerfreundlichkeit)
Beschreibt, wie leicht und effizient eine Software genutzt werden kann, um ein Ziel zu erreichen – also wie schnell, fehlerfrei und angenehm Nutzer:innen ihre Aufgaben erledigen können.
Usability ist keine hübsche Oberfläche. Sie ist das Zusammenspiel aus Verständlichkeit, Orientierung, Feedback und (ja, auch das) Emotion. Gute Usability bedeutet: Der Mensch muss sich nicht an die Software anpassen, sondern die Software an den Menschen.
Hier kommt eine Ladung Wissen:
10 Tipps für bessere Usability
1. Sprich die Sprache der Nutzer:innen
Klingt banal, ist aber der häufigste Usability-Killer. Wenn ein Button „Submit Query“ heißt, aber deine Zielgruppe keine Ahnung hat, was das bedeutet, dann ist der Button nutzlos. Beispiel: Statt „Request Data Extraction“ lieber „Bericht herunterladen“. Verwende keine Systemtexte sondern entscheide dich gezielt für die Sprache deiner Zielgruppe.
Microcopy
Kurze Texte in Oberflächen (Interfaces), z. B. Button-Beschriftungen, Fehlermeldungen oder Tooltips. Gute Microcopy erklärt Handlungen, schlechte verwirrt.
2. Reduziere, was du reduzieren kannst
Weniger ist (meistens) mehr. Zu viele Buttons, Farben oder Optionen überfordern.
Ich erinnere mich an ein Interface, das acht verschiedene Varianten von „Speichern“ hatte.
Ergebnis: Niemand wusste, welche was tut und alle klickten auf die falsche.
3. Mach Strukturen sichtbar
Nutzer:innen müssen wissen, wo sie sind und wo sie hin können. Breadcrumbs, Fortschrittsanzeigen, klare Seitentitel, das alles schafft Orientierung.
4. Setze auf Konsistenz
Ein Button, der auf einer Seite blau ist und auf der nächsten grün, das mag bunt sein, aber es verwirrt. Konsistenz schafft Vertrauen. Gestalte Interaktionen, Sprache und Layouts wiedererkennbar.
5. Gib klares Feedback
Software, die nicht antwortet, fühlt sich kaputt an. Ein kleiner Ladeindikator, ein „Änderung gespeichert“ oder ein Farbwechsel beim Klick, das alles sind Mini-Signale, die zeigen: „Hey, ich hab dich gehört!“
Affordance
Beschreibt, wie ein Interface-Element durch seine Form oder Darstellung seine Funktion andeutet.
Beispiel: Ein Button sieht klickbar aus, ein Schieberegler beweglich
6. Fehler sind okay – aber erklär sie
„Error 404 – Unknown Exception.“ Na toll. Und jetzt? Sag lieber:
„Wir konnten deine Datei nicht laden. Versuch’s später nochmal oder überprüfe deine Internetverbindung.“
Das ist menschlich und genau das schafft Vertrauen.
7. Teste mit echten Nutzer:innen
Nein, du bist nicht die Zielgruppe. Selbst wenn du das Tool täglich nutzt, hast du längst blinde Flecken. Kurze Usability-Tests mit echten Nutzer:innen zeigen oft gnadenlos, wo’s hakt und das ist gut so.
Usability-Test
Eine Methode, bei der reale Nutzer:innen Aufgaben lösen, während ihr Verhalten beobachtet und analysiert wird.
8. Achte auf Lesbarkeit
Zu kleine Schrift, zu geringer Kontrast, Textwüsten ohne Absätze, das ist kein Design, das ist Folter. Gute Lesbarkeit ist keine Ästhetikfrage, sondern eine Zugänglichkeitsfrage.
Tipp:
Faustregel – mindestens 16 px Schriftgröße, klare Hierarchie durch Überschriften, viel Weißraum.
9. Design für echte Kontexte
Wer nutzt deine Software – am Laptop? Am Handy? Unter Zeitdruck? Kontext entscheidet, wie intuitiv ein Produkt wirklich ist. Ein großartiges Desktop-Design kann auf dem Handy völlig unbrauchbar sein.
Responsive Design
Ein GEstaltungsansatz, bei dem sich Layout und Inhalte automatisch an verschiedene Bildschirmgrößen anpassen.
10. Mach’s emotional
Klingt vielleicht seltsam, aber emotionale Usability ist real. Ein charmantes Icon, ein freundlicher Ton oder eine kleine Erfolgsmeldung („Geschafft!“) machen Software sympathisch. Menschen erinnern sich nicht nur an Funktionen, sondern an Gefühle beim Benutzen.
Was Technische Redakteur:innen beitragen können
Technische Redakteur:innen sind oft die ersten, die merken: „Das ist nicht selbsterklärend.“
Ihre Aufgabe ist es, komplexe Abläufe in klare Worte und Strukturen zu bringen, genau das, was auch gute Usability braucht. Ob in Tooltips, Hilfetexten oder Onboarding-Flows: Redaktion sorgt dafür, dass Sprache und Logik Hand in Hand gehen.
Fazit: Usability ist Teamarbeit
Gute Usability passiert nicht zufällig, sie entsteht durch Zusammenarbeit von Design, Entwicklung und Redaktion. Sie beginnt mit Empathie, wächst mit Tests und lebt von Klarheit.
Und am Ende geht’s nicht um schöne Interfaces, sondern darum, dass Menschen sagen: „Oh cool, das war ja einfach.“ Bist du schon ein bisschen ins Träumen gekommen, bei all den Positivbeispielen? In unseren Seminaren kannst du mehr zur Umsetzung lernen.
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