Terminologiemanagement in der Softwarebranche: Wie verstehen mich meine Anwender?
Heute geht es um die Frage: Wie verstehen mich meine Anwender:innen? In der Technischen Redaktion sind Worte das A und O – und manchmal auch das Problem. Denn: Was für dich als „Schaltfläche“ klar ist, nennt euer Entwicklerteam vielleicht „Button“ und der Vertrieb „Klickdingens“ (vermutlich nicht 😅). Damit die Anwender:innen dich trotzdem verstehen, braucht es mehr als klare Sprache:
Es braucht Terminologiemanagement – besonders in der Softwarebranche, wo sich Begriffe schneller ändern als die Versionsnummern.
Was ist eigentlich Terminologie – und warum reden alle drüber?
Terminologie
Das ist der offizielle Fachwortschatz deines Unternehmens – also alle Begriffe, die klar definiert und einheitlich verwendet werden.
Für Technische Redakteur:innen ist das nichts Neues. Aber für viele andere klingt „Terminologie“ nach Bürokratie und Kostenstelle. Dabei ist es genau das Gegenteil: Terminologie spart Zeit, Geld und Nerven. Klar definierte Begriffe bedeuten:
- Weniger Missverständnisse im Team
- Bessere Übersetzungen
- Einheitliche Kommunikation
- Und ein konsistentes Markenerlebnis
Oder anders gesagt: Terminologie ist wie eine gemeinsame Sprache, sie sorgt dafür, dass alle dieselben Wörter für dieselben Dinge benutzen.
Was macht man im Terminologiemanagement eigentlich?
Terminologiemanagement heißt: Sammeln, prüfen, vereinheitlichen, pflegen. Konkret:
- Begriffe werden aus Texten, UIs oder Projekten herausgefiltert.
- Doppelte oder widersprüchliche Varianten fliegen raus.
- Bevorzugte Begriffe werden definiert – mit Übersetzung, Kontext und Anwendungsbeispielen.
- Alles landet in einer zentralen Datenbank, auf die Redaktion, Entwicklung und Übersetzung zugreifen.
Terminologiedatenbank (Termbase)
Eine strukturierte Sammlung aller freigegebenen Unternehmensbegriffe, inkl. Synonyme, Definitionen, Übersetzungen und Freigabestatus.
Das klingt nach Aufwand? Stimmt. Aber der lohnt sich. Denn jedes „Wie sollen wir das jetzt nennen?“ im Meeting kostet mehr Zeit als ein sauber gepflegter Term in der Datenbank.
Warum Terminologiemanagement in der Softwarebranche besonders tricky ist
Software lebt von Begriffen: Buttons, Tabs, Switches, Modals, Burger-Menüs… und bevor du dich versiehst, nennt jede:r etwas anderes. Gerade in der Software-Dokumentation ist das fatal. Denn wenn du Begriffe uneinheitlich nutzt, entstehen Missverständnisse und das sorgt für Frust.
💬 Beispiel:
„Klicken Sie auf den Button, um die Option zu aktivieren.“ … Welchen Button genau? Heißt er nicht eigentlich direkt „Aktivieren“?
Terminologiemanagement hilft, diese Stolperfallen zu vermeiden. Eine gepflegte Termbase sorgt dafür, dass alle wissen, wie ein Element heißt, im Code, im UI und in der Doku.
Redaktionsleitfaden
Ein Regelwerk für Schreibstil, Formulierungen und Terminologie – dein roter Faden für konsistente Kommunikation.
Besonders in agilen Teams mit Entwickler:innen, Designer:innen und Redakteur:innen ist das Gold wert. Denn dort prallen oft Fachsprachen aufeinander und ohne gemeinsame Terminologie wird’s schnell babylonisch.
Schnelllebig, agil, anspruchsvoll – die Softwarebranche fordert Tempo
Software ändert sich ständig. Neue Features kommen, alte fallen weg, Menüs werden umbenannt und die Terminologie muss Schritt halten. Hier hilft nur eins: gute Prozesse und klare Zuständigkeiten. Ein Terminologie-Team sollte regelmäßig prüfen, ob Begriffe noch aktuell sind, und schnell reagieren, wenn sich in der Software etwas ändert.
💬 Praxisbeispiel:
Ein Feature hieß monatelang „Dashboard“, bis jemand entschied, dass „Startseite“ benutzerfreundlicher klingt. Nur: In der Doku stand’s noch überall als „Dashboard“. Ergebnis? Chaos. Fazit: Terminologiemanagement muss genauso agil sein wie die Entwicklung selbst.
UX-Research trifft Terminologie – so sprichst du die Sprache deiner Nutzer:innen
Terminologie ist kein Selbstzweck. Sie soll verstanden werden. Und hier kommt UX-Research ins Spiel – also die Nutzer:innenforschung.
UX-Research
Beschäftigt sich mit dem Verhalten, den Bedürfnissen und der Sprache der Nutzer:innen. Ziel: Produkte und Texte entwickeln, die wirklich verstanden werden.
UX-Tests zeigen dir, wie deine Zielgruppe spricht. Sagen sie „Schaltfläche“ oder „Button“? „Anklicken“ oder „Auswählen“?
Wenn du das weißt, kannst du deine Terminologie an ihr Sprachverhalten anpassen – und triffst den richtigen Ton.
Tone of Voice
Die Stimme deines Unternehmens, also wie du klingst, wenn du mit deinen Nutzer:innen sprichst. Freundlich? Fachlich? Locker? Präzise?
Mit UX-Research und Terminologiemanagement gemeinsam gelingt, was viele Software-Texte vermissen lassen: Sprache auf Augenhöhe.
Terminologiemanagement + UX = Verständlichkeit, Vertrauen, Wow-Effekt
Terminologiemanagement ist kein Selbstzweck und kein Doku-Luxus – es ist der Schlüssel zu klarer Kommunikation. In der Software-Dokumentation sorgt es für:
- Verständliche Anleitungen
- Einheitliche Begriffe in Doku, UI und Code
- Eine konsistente Markenstimme
- Bessere Übersetzbarkeit
- Und glückliche User:innen 💛
Wenn du Terminologie und UX-Research kombinierst, entsteht etwas Besonderes: Sprache, die funktioniert.
Fazit: Damit dich deine Anwender:innen wirklich verstehen
Die Kraft der Worte wird oft unterschätzt, bis sie fehlt. Mit gutem Terminologiemanagement schaffst du ein Fundament für klare, menschliche und inklusive Kommunikation. Oder kurz gesagt: Mit klaren Begriffen schreibst du bessere Software.
Also: Bau deine Terminologiedatenbank auf, pflege sie regelmäßig, arbeite eng mit UX und Entwicklung zusammen und finde eure „Tone of Voice“. Denn wenn ihr die gleiche Sprache sprecht, versteht euch auch der Rest der Welt.
💬 Du willst mehr über Terminologiemanagement erfahren oder Unterstützung beim Aufbau deiner Datenbank?
Dann haben wir ein ein paar Seminar im Angebot oder du fragst einfach direkt bei uns an. Wir freuen uns!
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